Ferraù Fenzoni

(Faenza 1561/2 – 1645 Faenza)

Hl. Johannes der Täufer

Öl auf Leinwand, 32 x 25,5 cm

Provenienz: Privatsammlung Trier, Deutschland ca. 1980-2013.

Preis: 22.000 € (gemeinsam mit der vorbereitenden Zeichnung)

ANFRAGE

Zeichnung

Braune Feder und Tusche über roter Kreide auf hellbeigem Papier, 30 x 20,5 cm
Inschrift: „Ferrau Fenzonio da Faenza invt. esque … imp. da Fran. Villamena …“.
Sammlungsmarke Henry Scipio Reitlinger (1882-1950; Lugt 2274a) auf einem kleinen Schild (rückseitig geklebt)
Provenienz: 14. Oktober 2015, Doyle, Nr. 6

Das Gemälde zeigt Johannes den Täufer als Büßer in der Wüste. An seiner Brust lehnt der Kreuzesstab mit weißem Tuch, das die Beschriftung „ECCE“ erkennen lässt. Der Täufer stützt sich auf einen im Vordergrund angedeuteten Felsblock, auf dem eine Schale mit Henkel und Überreste einer Heuschrecke liegen. Die Wüste wird im Hintergrund durch kargen Bewuchs und schroffe Felsformationen angedeutet.

Johannes der Täufer ist als der einsame Rufer in der Wüste dargestellt. Dabei sind der Kreuzesstab mit dem Banner „ECCE [AGNUS DEI]“, das Fellgewand und auch der Zeigegestus als Attribute zu verstehen. Als junger Mann zog sich Johannes in die Wüste zurück, führte ein asketisches Leben und scharte Anhänger um sich. Er ernährte sich von Heuschrecken, wildem Honig und trug ein Gewand aus Kamelhaar. Er verstand sich als Bußprediger, der die frohe Botschaft von der Ankündigung des Messias verbreitete.

Das vorliegende Gemälde gleicht kompositorisch einer Zeichnung aus der Hand von Ferraù Fenzoni, die wiederum als Vorlage für einen Kupferstich von Francesco Villamena diente. Gemälde, Zeichnung und Kupferstich ähneln sich bis auf wenige, minimale Unterschiede, so ist die Gestalt des Johannes auf der Zeichnung größer angelegt als auf dem Gemälde und auf dem Kupferstich. Auch die Maße des Gemäldes (32 x 25,5 cm) stimmen mit denen der Zeichnung (30 x 20,5 cm) nahezu überein.
Im unteren Bereich Zeichnung findet sich folgende Inschrift: „Ferrau Fenzonio da Faenza invt. esque … imp. da Fran. Villamena …”. Der Kupferstich nennt in seiner Inschrift außerdem noch Entstehungsort und –datum: „Ferra Fensionius inventor/F. Villamoena sculpsit Rome/Aspectu fruitur… antra puer/cum Privilegio… 1613”.

Interessant ist, dass die sonst durch den Druckvorgang entstehende Spiegelung der Darstellung nicht erfolgte, stattdessen sind Gemälde, Zeichnung und Kupferstich seitengleich. Man kann vermuten, dass Fenzoni zunächst die Zeichnung schuf und darauf dann das Gemälde und der Kupferstich entstanden.
In jedem Fall kann die Jahresangabe „1613“ als ein Fixdatum angesehen werden. Das vorliegende Gemälde kann kurz vor diesem Jahr entstanden sein. Die künstlerische Ausführung passt zu den Merkmalen von Fenzoni’s Spätstil mit einer übertriebenen Längung und Betonung der Muskulatur der Figur, verbunden mit einem expressiven Ausdruck. Auch der dunkle Hintergrund und der Sinn für Details – wie etwa die Heuschrecke im Vordergrund – sind hier zu finden.

Die Zuschreibung des vorliegenden Werks an Fenzoni wurde durch Dr. Guiseppe Scavizzi auf Grundlage einer Fotografie bestätigt, der das Bild auf die Zeit um 1590 datierte.

Ferraù Fenzoni wurde im italienischen Faenza geboren und ist der römischen Malerschule aus der Zeit um 1600 zuzurechnen. Bis heute ist unbekannt, bei welchem Künstler, in welcher Werkstatt und in welcher Stadt er seine Ausbildung erhielt. Die Vermutungen reichen vom Umkreis der Carracci über Bologna bis nach Rom.
In Rom ist Fenzoni sicherlich ab ca. 1586 gewesen: Zur Zeit des Papstes Gregor XIII. erhielt er dort verschiedene Aufträge. Doch bedeutet dies nicht, dass er hier auch seine Ausbildung genoss. Rom war damals ein künstlerisches Mekka, Künstler aus ganz Europa sammelten sich, bildeten sich an den Antiken weiter und tauschten sich aus.
Eines der ersten, gesicherten Werke von Fenzoni ist eine Kapellendekoration in der Kirche Il Gesù, die aber noch keine eigenständigen Stilmerkmale offenbart. Dies ist vielmehr an der Scala Santa der Fall: das Fresko Moses und die eherne Schlange, das Fenzoni 1587 vollendete und das durch Francesco Villamena in einem Kupferstich verbreitet wurde, zeigt schon eine deutliche Hinwendung zum Manierismus der nördlichen Niederlande. Fenzoni scheint sich mit seinem Stil in Rom recht schnell etabliert zu haben, denn er arbeitete an verschiedenen, größeren Freskenzyklen der Zeit, wie bei dem Lateranspalast, der Loggia della Benedizioni und bei Santa Maria Maggiore.
Ab 1594 wirkte Fenzoni von Todi aus. Der Bischof der Stadt, Angelo Cesi, hatte den Künstler eingeladen und ihn mit ausgesprochen großen Aufträgen betraut. Es ist nicht ganz klar, warum Fenzoni nach Umbrien ging, höchstwahrscheinlich war der umfangreiche Auftrag ausschlaggebend. Zugleich behielt er die ganze Zeit seinen zweiten Wohnsitz in Rom und arbeitete zeitweise für Todi in seiner Werkstatt in Rom. In Todi war er für die Ausgestaltung der Kathedrale zuständig, ebenso für den angrenzenden Bischofspalast. Zugleich schuf er auch eigenständige Gemälde für den Kunstmarkt, von denen noch einige heute bekannt sind.
Von 1599 bis zu seinem Tod im Jahr 1645 lebte Fenzoni wieder in seiner Heimatstadt Faenza. Für diese lange Zeitspanne ist nur wenig über sein künstlerisches Werk bekannt. Er scheint sowohl größere Altargemälde und Freskenzyklen als auch kleinformatige Gemälde für private Sammler geschaffen zu haben. Neben dem umfangreichen Auftrag für den Palazzo Ginnasi del Castel Bolognese (heute verloren), war Fenzoni für die Dekoration der Kapellen der Kathedrale von Faenza zuständig. Obwohl er in der „Provinz“ lebte, genoss Fenzoni ein hohes Ansehen, was sich in den Titeln „Vikar von Castellano von Granarola“ (1634) und „Cavaliere dello speron d’oro“ (1640, durch Kardinal Colonna ernannt) äußert.

Ferraù Fenzonis künstlerischer Stil bewegt sich zwischen Manierismus und Barock. Fenzonis starke Charakterisierung der Figuren scheint vor allem vom Manierismus der nördlichen Niederlande geprägt, erwähnt seien Hendrick Goltzius und Bartholomäus Spranger. Ihre Arbeiten und die anderer manieristischer Zeitgenossen waren durch Kupferstiche verbreitet und bekannt. Auf diese Weise wurden Künstler, wie Fenzoni mit einer modernen Auffassung des Manierismus vertraut, die einen hoch realistischen und expressiven Sinn für das Detail mit fantastischen Kompositionen verband.
Ein Vergleich von Kupferstichen aus der Hand von Goltzius mit Arbeiten Fenzonis zeigt einen ähnlichen Hang zur Übertreibung von körperlichen Eigenschaften. Fenzonis Werke sind z.T. geprägt von einer extremen Stilisierung. Die Figuren sind nah am Betrachter bzw. zu ihm gerichtet, ihre Körper werden durch eine starke, schlagschattenartige Beleuchtung betont und vor einem dunklen Hintergrund hervorgehoben; Muskeln, Proportionen und Gestik und Mimik werden überspitzt wiedergegeben, so dass von einem „expressiven Manierismus“ gesprochen werden kann.

Bislang kann nur vermutet werden, dass Fenzoni eine Serie der Apostel oder von den Heiligen als Asketen geschaffen hat, die Villamena in Kupferstiche umsetzte. Dafür spricht ein Stich mit der Darstellung des Hl. Paulus, ebenfalls als Asket in der Wüste. Neben dem identischen Format gleichen sich die skizzenhafte Andeutung des Hintergrundes und die starke Betonung des Körpers. Weitere Stiche oder Gemälde kann man dieser vermeintlichen Serie jedoch bislang nicht zuordnen.

Es ist bemerkenswert, dass es mehrere Gemälde von Ferraù Fenzoni gibt, die seitengleich in Kupferstiche umgesetzt wurden und die sich sowohl in der Darstellung als auch in den Maßen nahezu exakt gleichen. Beispielsweise ist eine Grablegung Christi zu nennen, die erst im Jahr 2001 entdeckt wurde. Villamena schuf ebenfalls seitengleiche Stiche, wie etwa von dem großen Fresko Moses und die eherne Schlange von der Scala Santa, Rom.

Werke von Ferraù Fenzoni können besonders in Italien besichtigt werden, wie etwa in Rom, Todi und Faenza.
Dieses Gemälde wird gemeinsam mit der Zeichnung verkauft.

Literatur
G. Scavizzi, N. Schwed, Ferraù Fenzoni as a painter/ as a draughtsman, Todi 2006.


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