Thomas Willeboirts Bosschaert

(1614 Bergen op Zoom – 1654 Antwerpen)

Pan spielt zum Tanz der Putten

Öl auf Leinwand, 35 x 51 cm

Provenienz: Belgische Privatsammlung

Anfrage

Die Ölskizze zeigt einen Querflöte-spielenden Mann mit dunklen Locken, der am linken Bildrand in einer mit Tuch behangenen Vertiefung sitzt. In der linken unteren Ecke lässt sich eine umgefallene Schale mit auslaufendem Wasser erkennen. Die rechte Bildhälfte zeigt einen Kreis von fünf tanzenden Putten oder Amoretten, wobei die linke Putte aufgrund der Ziegenbeine als Satyr zu erkennen ist. Der Hintergrund wird von einer dunklen Berglandschaft bestimmt. Im Himmel lässt sich eine auf- oder untergehende Sonne erahnen. Möglich ist, dass der Flötenspieler den Gott des Weines und Ekstase Bacchus darstellen soll. Dazu passt die Flöte als Symbol des Feierns, sowie die Wasserschale, die auf die Mutter des Bacchus, Lethe, hinweisen könnte. Lethe ist ein Fluss in der Unterwelt, der zugleich „Vergessen“ symbolisiert. So ist die auslaufende Wasserschale nicht nur Verweis auf diesen Fluss, sondern er symbolisiert auch „Vergessen“. Außerdem wird Bacchus in der Regel mit Satyrn im Gefolge dargestellt, was die Putte mit Ziegenbeinen erklären würde. Möglich wäre jedoch die Interpretation des Flötenspielers als Gott Pan. Dieser wird meist mit seiner Flöte gezeigt und mit Tanz in Verbindung gesetzt. Außerdem ist er in der gebirgigen Landschaft Arkadiens beheimatet.

Bei dem vorliegenden Werk handelt es sich um eine Ölskizze, also eine vorbereitende Studie. Dies legen die teils unausgeführten Partien, wie auch der Aufbau des Bildes nahe. Einige Partien sind bereits fast vollständig angelegt, wie der Flötenspieler, während andere, beispielsweise der Horizont und auch die
Figuren der Putten, nur in Umrissen skizziert sind.

Das Gemälde stammt eindeutig von dem Barockmaler Thomas Willeboirts Bosschaert werden. Diese Zuschreibung wurde durch Prof. Hans Vlieghe bestätigt. Der Experte und Verfasser des Werksverzeichnisses von Thomas Willeboirts Bosschaert, Dr. Axel Heinrich, bestätigte ebenfalls die Autorschaft Bosschaerts. Er bezeichnete sie als besonders schöne und überzeugende Arbeit des Künstlers.

Bosschaert lebte und arbeitete in Antwerpen unter anderem mit Peter Paul Rubens und Anthonis van Dyck zusammen. Er lernte bei Gerard Seghers und vermutlich auch bei Van Dyck. Im Jahr 1637 trat er der St. Lukasgilde bei. Sein Werk zeichnet sich durch eine Vielzahl an religiösen und historischen Gemälden
aus. Er arbeitete u.a. für Prinz Friedrich Heinrich von Oranien und Prinz Wilhelm
II. von Oranien.
Bei der vorliegenden Ölskizze handelt es sich um eine kleinere Fassung des „Kinderbacchanals“ von Bosschaert in Kassel. Dieses Gemälde zeigt eine Vielzahl von Putten, die den trunkenen Bacchusknaben umgeben und mit ihm feiern. Der grundlegende Kompositionsaufbau, wie auch die Gestaltung der Putten weist eine große Nähe zur Ölskizze auf. Auch der „Amor mit gebändigtem
Löwen“ zeigt große Ähnlichkeiten in Aufbau und Stilistik (vgl. auch die Draperie). Bei Bosschaerts Ölskizze „Venus hält Mars zurück – Allegorie des Krieges“ findet sich u.a. die stehende Putte wieder, die mit dem Gesicht zum Betrachter steht.
Die vorliegende Ölskizze wird als vorbereitende Studie für ein größeres Historienbild gedient haben. Diese Arbeitspraxis ist vielfach für Mitarbeiter bzw.
den Umkreis des Peter Paul Rubens und Anthonis Van Dyck bezeugt. Thomas Willeboirts Bosschaert war besonders durch Van Dyck beeinflusst. Dies äußert sich auch bei diesem Werk, denn vergleichbare Putten sind etwa in Van Dycks‘ „Triumph des Bacchus“ dargestellt. Auch die Konzentration der Figuren auf der rechten Bildseite, ein ähnlich gelblich gefärbter Himmel und verschiedene Bildelemente wie die umgefallene Schale (wenn auch mit Obst befüllt) finden sich dort ebenfalls. Auch Van Dycks „Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“ ist im Bildaufbau sehr ähnlich. Auf der rechten Seite sehen wir die tanzenden Putten in Kreis. Auf der linken Seite befindet sich jedoch anstatt des Flötenspielers die Heilige Familie. Eine Vorlage oder Inspiration für das vorliegende Werk könnte ein Kupferstich des Italieners Giulio Carpioni (1613-1678) gewesen sein. Die Komposition (wenn auch bedingt durch den Kupferstich gespiegelt) ist sehr ähnlich und zeigt auf der linken Seite tanzende Putten, auf der rechten einen Flötenspieler mit Bocksbeinen und Locken. Außerdem ist auch eine der Putten als Satyr mit Ziegenbeinen gekennzeichnet. Die vorliegende Ölskizze aus der Hand von Bosschaert ist eine interessante Bereicherung seines Oeuvres und illustriert neben seiner Schaffensweise auch seine stilistische Nähe zu Van Dyck.

Literatur:
Axel Heinrich, Thomas Willeboirts Bosschaert, Turnhout 2003, Bd. I, Kat A 58, Abb. 88.

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